Jens Weigel
Dipl.-Design (Multimedia)
Tel 0 64 21 / 3 89 67 83
Mobil 0 1 51 / 41 92 50 24

zurück zu allen Beiträgen im Know-How

Schriftklassifikation und Schriftmischung Teil 1

Es gibt viele Ansätze um Schriften richtig und gut einzuteilen. Die wenigsten davon berücksichtigen auch die Mischung von verschiedenen Schriften. Mein Ansatz (der auch nicht perfekt ist) versucht, Klassifikation und Mischung unter einen Hut zu bekommen. Den Teil 2 findet ihr hier.

Die verbreitetste Variante der Schriftklassifikation dürfte die der DIN-Norm sein. Anhand der Geschichte werden Schriftarten in verschiedene Epochen eingeteilt. Die venizianischen Drucker kombinierten die Capitalis Monumentalis und die Karolingische Minuskel und schufen damit das uns heute bekannte Aussehen einer Schriftart. Form, Schönheit, Anmut und Lesbarkeit dieser Schriftarten sind bis heute auf den besten Plätzen. In der Epoche der franzischen Renaissance-Antiqua wurden die oftmals kantigen und teilweise sehr stark von der Breitfeder bestimmten venezianischen Schriftarten geglättet.

Venezianische Renaissance-Antiqua
Hamburgefonts
AOaoeg
Französische Renaissance-Antiqua
Hamburgefonts
AOaoeg
Barock-Antiqua
Hamburgefonts
AOaoeg
Klassizistische Antiqua
Hamburgefonts
AOaoeg
Die klassische Einteilung nach der DIN-Norm erfordert viel Wissen und erzeugt eine gewisse Dogmatik. Außerdem hilft sie nicht dabei Schriften miteinander zu mischen.

Teilweise zum Vorteil. Sie wirken nicht so rau und kernig, sondern sind viel rundlicher und muten teilweise edler an. Im der Barockzeitalter änderte sich schon etwas die Art und Weise, wie geschrieben wurde. Der natürlich Wechselzug der französischen Antiqua wich. Die Konstruktionsachse war nicht mehr geneigt, sondern aufrecht. Der erste größere Bruch, der deutlich zu sehen war, wurde im Klassizismus vor allem durch ein neues Schreibwerkzeug erzeugt. Nicht mehr die Breitfeder, sondern die Spitzfeder war nun das Werkzeug, welches das Aussehen beeinflusste. An diesem Punkt möchte ich nun die Klassifikation nach der DIN-Norm verlassen. Wie bereits erwähnt, hilft sie zwar dabei, die Schriften in einem System zu positionieren, aber sie hilft nicht dabei, Schriften miteinander zu kombinieren.

Die Einteilung nach der Methode, die ich nun vorstellen möchte, findet in einer Art Koordinatensystem statt.

Serif
Sans-Serif
Die x-Achse sortiert die Schriften nach Serif und Nicht-Serif. bHalb-Serife Schriften sowie stark gekehlte Schriften wie die Optima könnten in den Bereich dazwischen einsortiert werden.
Klassisch
Klassizistisch
Serif
Sans-Serif
Die y-Achse hingegen unterscheidet zwischen Klassizistisch und Klassisch.

Unterschied zwischen Klassizistisch und Klassisch

Die beiden Werkzeuge, die die Form der Schriften in ihrer Art beeinflussen, sind die bereits erwähnten Bandzugfeder und die Spitzfeder.

Die Bandzugfeder definiert den eher klassischen Ansatz, wohingegen die Spitzfeder sehr stark im klasssizistischen wiederzufinden ist.

Im klassischen Ansatz ist auffällig, dass die Glyphen in ihrer Breite sehr unterschiedlich sind. Es ist oft ein gezeichneter Charakter zu sehen, wohingegen im klassizistischen ein sehr konstruierter Karrakter(?) wiederzufinden ist. Die Formen der Gemeinen a und g sind in der klassischen Form immer 2- (a) bzw 3-geschossig (g). Allerdings findet sich dies auch im klassizistischen Bereich. Besonders die Eigenschaften der Werkzeuge lassen sich in den einzelnen Glyphen sehen. So besitzt z.B. ein ‘n’ eine Schulter durch die Bandzugfeder.

Klassisch
Bandzugfeder
AOKLMNCDEgae
on
  • Eher gezeichneter Charakter
  • Unterschiedliche Glyphen
  • Unterschiedlich breite Versalien
  • Immer zweigeschossiges a und dreigeschossiges g
Klassizistisch
Bandzugfeder
AOKLMNCDEgae
on
  • Eher konstruierter Charakter
  • Einheitliche Glyphen
  • Nahezu gleichbreite Versalien
  • Oft eingeschossiges a und zweigeschossiges g

Wenn wir dies alles nun auf unser Koordinatensystem übertragen so entstehen vier Bereiche: Klassisch-Serif, Klassisch-Nichtserif, Klassizistisch-Serif und Klassizistisch-Nichtserif.

Im zweiten Teil werde ich auf die Möglichkeit eingehen, wie man mit Hilfe dieser Einteilung Schriften miteinander mischen kann.

Links

Aktuelle Beispiele für Typografie aus meinem Portfolio